Entsprechen unsere Schulen noch den Anforderungen des 21. Jahrhunderts?

Im Rahmen des MINT-EC Themenclusters “Vernetztes Lernen. Alternative Schul- und Lernmodelle der Zukunft” besuchte Frau Monika Barthelmess die 4. Aachener Gesamtschule – eine Schule, die neue Wege beschreitet, um den Bedürfnissen der heutigen SchülerInnenschaft besser zu begegnen als Schulen mit herkömmlichen Unterrichtsmodellen.

In diesem Geiste ersetzt die 4. Aachener Gesamtschule, die erst 2011 gegründet wurde, reguläre Unterrichtsstunden durch das sog. Lernbüro, den Werkstätten und den Projekten – ihr Motto: Ein bisschen Reform geht nicht!

Wie läuft das an der 4. Aachener Gesamtschule?

Bei einem Projekt entwickeln die Schülerinnen und Schüler im Klassenverband ein Thema, suchen sich Mitglieder für ihr Team, recherchieren im Internet und finden vor allem externe Partnerinnen oder Partner zur Verwirklichung des Projekts. Am Ende steht eine Präsentation.

Daneben wählt jede Schülerin und jeder Schüler eine jahrgangs- und fächerübergreifende Werkstatt pro Halbjahr. Die Bienenwerkstatt hat sich beispielsweise zu einer sehr beliebten Option entwickelt, in der die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 – 8 über Bienen lernen (Biologie), die Regelhaftigkeit des Bienentanzes kennenlernen (Mathematik), Honig herstellen, die Etiketten für die Honiggläser layouten (Kunst) und letztlich den Verkauf des Honigs kalkulieren und durchführen (Wirtschaft).

Den Gegenpol bilden die Lernbüros, Stillarbeitsphasen im Klassenverband, in denen sich die Schülerinnen und Schüler anhand von einem Arbeitsplan Unterrichtseinheiten (‘Bausteine’) aneignen und sich bei Fragen jederzeit an die anwesende Lehrkraft (genannt: Tutor) wenden können. Kaum zu glauben, aber im Lernbüro ist es tatsächlich mucksmäuschenstill! Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten in der Regel zwei Bausteine parallel (z. B. Mathematik und Englisch) und können selbst entscheiden, in welches Lernbüro sie an einem Tag gehen. In ihr ‘Logbuch’ notieren sie, welches Fach sie an welchem Tag bearbeitet haben, so dass die Lehrkraft ggf. darauf hinweisen kann, wenn ein Fach etwas zu kurz kommt. Sind die Schülerinnen und Schüler innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums am Ende einer Einheit angekommen, legen sie einen Tag für ihren abschließenden Test fest. Dieser Test wird benotet, und die Lehrkraft wird ihn anschließend mit der Schülerin oder dem Schüler individuell besprechen. Der klare Vorteil von Lernbüros ist, dass jede Schülerin und jeder Schüler in ihrem oder seinem Tempo arbeiten kann und tatsächlich auch selbst arbeiten muss.

Wieso das alles?

In den letzten 30 Jahren hat sich unser Leben so sehr verändert, dass es unseren Kindern gegenüber ungerecht wäre, sie weiterhin wie vor 40 Jahren zu unterrichten. Smartphones und Google sei Dank, das Erlangen von Informationen ist heute fast ein Kinderspiel! Somit stellt sich nicht mehr die Frage, wie komme ich an Wissen, sondern vielmehr, was mache ich mit diesem Wissen. Es ist also klar, dass sich an unserer Art der Beschulung etwas ändern muss. Was genau und wie lange das dauern wird, steht jedoch noch in den Sternen. Reformen wollen wohlüberlegt sein und brauchen Zeit…

Das Schlusswort soll eine Schülerin der 4. Aachener Gesamtschule erhalten: “Ich glaube, es ist viel einfacher, von einer Regelschule auf die 4. Aachener Gesamtschule zu wechseln als umgekehrt. Wer unser Schulsystem einmal kennengelernt hat, möchte kein anderes mehr!”

November 10, 2021