Ernestiner gedenken der Reichspogromnacht

Ist der Blick nach unten gerichtet, so fällt einem ein quadratischer, goldener Stein im Steinpflaster vor dem Altbau des Gymnasiums Ernestinums auf. Sieht man genauer hin, trägt er eine Inschrift.

„Hier lernte Siegbert Kaufmann, Jahrgang 1923, Flucht 1936, USA“

Dieser Stolperstein soll an Siegbert Kaufmann gedenken.

Zunächst lernte er an der Rückertschule und wechselte später ans Ernestinum. Hier spürte er hin und wieder Abneigung gegenüber Juden von Lehrern und Schülern.

Als sich die Lage der politischen und sozialen Benachteiligung und Verachtung von Nicht-Ariern und Juden in den 1930er Jahren weiter zuspitzte, entschied sich sein Vater Adolf Kaufmann dafür, ihn 1936 in die USA zu Verwandten zu schicken.

Der 9. November 1938 wird durch die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten geprägt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November plünderten und zerstörten NS-Anhänger sämtliche zentrale jüdische Einrichtungen; Synagogen, Geschäfte, Friedhöfe, Wohnungen oder Betstuben. Sich widersetzende Juden wurden entweder verhaftet, verletzt oder gar ermordet. Einmal verhaftet, gelangten sie in Konzentrationslager, in denen sie später grausam getötet wurden. Bereits diese Schandtaten der Nationalsozialisten kosteten Hunderte, gar Tausenden Menschen das Leben.

Begründet wurde die Tat auf einem Attentat des Legionssekretärs Ernst Eduard vom Rath in der deutschen Botschaft in Paris. Der Täter Herschel Grynszpan verletzte ihn tödlich, da seine Familie bereits vertrieben worden war.

Im Zuge der Erinnerung der so genannten Reichspogromnacht und der Judenverfolgung plante die SMV eine Aktion für unseren Stolperstein vor dem Altbaueingang des Ernestinums.

Sorgfältig putzten wir den Stein mit Wasser und Zahnbürste, um ihn nicht zu beschädigen. Jetzt ist er wieder besser zu erkennen.

Wir und alle Schüler:innen gedenken allen Opfern der Verfolgung und Diskriminierung in der NS-Zeit.

Adrian Wittmann, 1. Schülersprecher

November 9, 2021