Im Rahmen des Ethikunterrichts besuchte der Kurs der 11. Jahrgangsstufe unter der Federführung von Dr. Erik Hüneburg die eindrucksvolle Ausstellung „Da 49, Da 512 – Züge in den Tod“ im herzoglichen Mausoleum auf dem Coburger Friedhof. Die Ausstellung, initiiert vom Arbeitskreis Lebendige Erinnerungskultur, widmet sich den Deportationen jüdischer Menschen aus Coburg und Oberfranken während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und macht individuelles Leid hinter anonymen Zahlen sichtbar.
An dem Ausstellungsbesuch nahmen Leon Bauer, Felix Mathewson, Daniel Marinov, Aslan Albarmawee, Fatima Davudova, Mina Yasar, Jenny Bilz, David Keksel und Doruk‑Alp Gürsoy teil. Vor Ort setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den historischen Hintergründen und den persönlichen Schicksalen der Opfer auseinander.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen unter anderem die beiden Deportationszüge „Da 49“ und „Da 512“, mit denen im Jahr 1942 jüdische Menschen aus Franken über Bamberg in den Osten verschleppt wurden. Die Tarnbezeichnung „Da“ stand zynischerweise für „Deutsche Aussiedler“. Tatsächlich wurden die Waggons zu rollenden Gefängnissen: Über 1.000 Menschen waren unter unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht, viele starben bereits während des Transports. Zielorte wie das Ghetto Theresienstadt oder Vernichtungslager wie Sobibór bedeuteten für die meisten den sicheren Tod.
Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich nicht nur mit den Abläufen der Deportationen, sondern auch mit der systematischen Ausgrenzung, Entrechtung und Enteignung jüdischer Menschen im Nationalsozialismus. Themen wie der von den Behörden organisierte Antisemitismus, die bis heute leider nicht vollständig aufgearbeitete so genannte „Arisierung“ jüdischen Eigentums, Fluchtversuche und deren häufiges Scheitern sowie die aktive Beteiligung lokaler Behörden an der Verfolgung wurden kritisch aufgearbeitet. Besonders eindrücklich waren die Berichte von Zeitzeugen, etwa über die gewaltsamen Abtransporte aus Städten und Dörfern der Region.
Ein Schwerpunkt lag zudem auf lokalen Biografien: Die Ausstellung erinnert an Coburger jüdische Familien wie Hermine und Siegfried Kohn, Betty und Jakob Friedmann oder Heßlein Strauß. Ihre Lebensgeschichten machen deutlich, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht „irgendwo“, sondern mitten in der eigenen Heimatstadt stattfanden. Hinter jedem Namen stand ein Mensch mit Familie, Beruf, Hoffnungen und Zukunftsplänen.
Der Ausstellungsbesuch regte im Ethikkurs intensive Gespräche an. Fragen nach Verantwortung, Mitläufertum, Zivilcourage und der Bedeutung von Erinnerungskultur standen im Zentrum der Nachbereitung. Die Schülerinnen und Schüler erkannten, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus in der Gegenwart entschieden entgegenzutreten.
Der Besuch der Ausstellung „Züge in den Tod“ war damit nicht nur eine historische Exkursion, sondern ein nachhaltiger Beitrag zur ethischen Bildung – ganz im Sinne des Leitgedankens: Erinnern, um nicht zu vergessen.






