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Stolpersteine in Coburg – 100 Zeichen gegen das Vergessen

Am 31. Oktober 2025 wurden in Coburg zehn weitere Stolpersteine verlegt. An der feierlichen Verlegung, die vom Schul-und Kulturamt der Stadt Coburg initiiert wurde, nahmen neben Schülerinnen und Schüler einiger anderer Coburger Schulen vom Ernestinum eine elfte Klasse mit ihrem Geschichtslehrer Herrn Megges und der Geschichtskurs von Frau Stenzel (Q 13) teil. Nach dieser Aktion gibt es jetzt insgesamt 100 Stolpersteine, die an Bürgerinnen und Bürger erinnern, die unter dem NS-Regime gelitten haben. Oberbürgermeister Dominik Sauerteig betonte in seiner Rede, wie wichtig Menschenwürde und Offenheit sind. Besonders eindrucksvoll war, wie er an das Schicksal der Familie Fechheimer gedachte. Eine Nachfahrin der Familie bedankte sich dafür, dass Coburg die Geschichte ihrer Angehörigen sichtbar macht und nicht in Vergessenheit geraten lässt.

Nach den offiziellen Reden haben die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ernestinum die Schicksale der Familie Altmann vorgestellt. Die Kurzbiografien, die während der Verlegung vorgelesen wurden, um jeden einzelnen Menschen zu würdigen, wurden im Unterricht vorbereitet.

Zu den bereits vorhandenen Stolpersteinen von Israel Josef, Jakob und Sali Altmann in der Kreuzwehrstraße 9 wurden jetzt die Stolpersteine von Fritz und Klara Altmann verlegt.

Fritz Altmann wurde in Coburg geboren und führte am Erinnerungsort ein Familiengeschäft, der gleichzeitig auch sein letzter selbstgewählter Wohnsitz war.

Durch den zunehmenden Druck und die Boykotte gegen jüdische Geschäfte verlor er seine Lebensgrundlage. Schließlich verließ er Coburg und wanderte vor dem 2. Weltkrieg nach Palästina aus.

Über sein späteres Leben ist kaum etwas bekannt.

Klara Altmann wurde in Bibra im Herzogtum Meiningen geboren. Nach ihrer Heirat mit Jakob Altmann zog sie nach Coburg. Im November 1938 wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg eingewiesen und verstarb dort bereits nach einem Monat im Alter von 72 Jahren. Als Todesursache wurde eine Lungenentzündung angegeben.

Die neuen Steine erweitern die Erinnerungsorte und machen die Geschichte der Familie als Ganzes deutlich sichtbarer.

Die Stolpersteinverlegungen in Coburg zeigen, wie wichtig lokale Erinnerungskultur ist – besonders für eine offene und demokratische Gesellschaft. Sie sollen alle Menschen und besonders die Schülerinnen und Schüler aller Coburger Schulen daran erinnern, nicht wegzuschauen, sondern Verantwortung zu übernehmen und mit den Schicksalen der Menschen auseinanderzusetzen, die früher Teil dieser Stadt waren.

Das Projekt zeigt, das Erinnern auch bedeutet, eine Haltung zu entwickeln: für Respekt, gegen Ausgrenzung und für ein demokratisches Miteinander.

 

Text: Juliana Haischberger und Mariel Hayler, Q 13

Fotos: K. Stenzel