Ein Schauer ging durchs Publikum, als Dracula mit seinen Schergen das erste Mal die Bühne betrat: Am Ende des vergangenen Schuljahrs verwandelte sich die Mensa des Gymnasium Ernestinum beinahe schon traditionell in ein Schauspielhaus: Diesmal für drei Abende in die düsteren Gemäuer von Transsilvanien. Aufgeführt wurde das Musical Dracula von Claus Martin – eine Inszenierung, die nicht nur Herz und Nerven in den Bann zog, sondern auch mit musikalischem „Biss“ überzeugte.
Die Darstellerinnen und Darsteller ließen das Publikum tief in die finstere Welt der Untoten eintauchen. Mit jedem Lied, jeder Geste und jeder Szene spürte man: Hier wird Theater gespielt, das niemanden kaltlässt – im Gegenteil, es jagte dem einen oder anderen Zuschauer eine wohlige Gänsehaut über den Rücken, bisweilen heizten heiße Szenen den Anwesenden ein, sodass wirklich jeder der Gäste in den Bann des Grusicals gezogen wurde.
Allen voran überzeugte Graf Dracula (Benjamin Schwarz: Düster und charismatisch), der dem Fürst der Untoten seh- und hörbar Leben einhauchte. Unterstützt von den heimlichen Stars des Abends: Den Vampirbräuten des Grafen (Liv Borowski, Maria Paluszek, Victoria Pilz: Das Publikum nicht nur durch ihre Stimmen in den Bann ziehend). Wobei man bei genauerem betrachten schnell feststellen musste, dass es Stars oder heimliche Stars so eigentlich gar nicht gab. Zu breit war das Spektrum an Schauspielenden, Figuren und vor allem: Talent! Dazu trugen vor allem auch die individuellen Darstellungen einiger Spiel-im-Spiel-Elemente bei, seien es die beiden tiefbegabten Ganoven Tim und Backe (Malte zur Nieden, Ben Nußpickel: Sehr ulkig und wie geschaffen für diese Rollen), das überaus aufgedrehte Ärzte-Duo (Emilian Schellhorn und Niels Weiß: Große Wirkung trotz wenig Bühnenzeit) samt Notarztwagenfahrer (Sebastian Konitz: Abgeklärt und cool im Wirken) oder die aufgekratzt plappernden Tanten (Maria Alterkop, Laura Gubert, Lilly Ritz: Selbstbewusst und charakterstark). Doch worum ging es im Stück im Detail?
In Dr. Sewarts (Josephine Waselowski: Überaus schrill und sehr professionell) Irrenanstalt geht es drunter und drüber! Nicht nur wegen der vermeintlichen Irren (Hanna Panhans, Ekaterina Pisarenko, Marlene Büchner, Matilda Just, Gianna Patti, Emily Zithof: Ließen sich allesamt authentisch auf die Rollen ein und versprühten überspringenden Spaß): Der schüchterne Mister Renfield (Janosch Knoth: Ein Charakterschauspieler), der neuerdings Fliegen frisst, und die verklemmte Krankenschwester Lucy (Selma Adler: Mit Talent gesegnet), die über Nacht zur lüsternen Femme fatale mutiert, sorgen für jede Menge Verwirrung. Nicht nur bei Dr. Sewart, auch bei dessen Getreuen, der Leiterin Mrs. Ascot (Imesha Perreira / Amy Karaboue: Nahmen sich in der Doppelbesetzung nichts an Ihrem Schaffen und glänzten) sowie der Oberschwester Janet (Leona Garbe: Individuell sehr gelungene Interpretation der Rolle), und Renfields Vermieterin (Maja zur Nieden: stimmlich und tänzerisch begabt). Doch das ist erst der Anfang! Alle Spuren führen ins verfallene Schloss vom mysteriösen Graf Dracula (wie erwähnt: Benjamin Schwarz), einem Adligen, der neuerdings mitsamt seiner Vampirgefolgschaft (Mathea Schellhorn, Gianna Patti, Ally Gunsenheimer, Hanna Panhans, Maja zur Nieden: überzeugend begeistert und überzeugend schaurig) in Huntington lebt und dessen wahre Identität niemand ahnt. Besonders ahnungslos ist dabei Mrs. Hawkins (Jasmin Gartner: Charmant abgehoben in ihrer Rolle), die von einem Grafen träumt und einen Ball veranstaltet, um Dracula zu verführen. Doch als die hübsche Miss Mina (Alisa Knörnschild: Ohne jegliche Schwäche) ins Spiel kommt, wird die Situation brenzlig, vor allem, weil der liebenswürdige Jonathan Harker (Jonathan Schellhorn: Zum Verlieben) nicht der einzige Mann bleibt, der sich in sie verliebt. Irrungen und Wirrungen waren so vorprogrammiert und der wilde Ritt durch den Abend nicht aufzuhaltn.
Die spannende Frage blieb: Wird es dem berühmten Vampirjäger Van Helsing (Lionel Langbein: Mysteriös als Figur, klar in der Stimme) gelingen, Mina vor dem Untoten zu schützen? Und was wird aus Mrs. Hawkins? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen bekamen knapp 600 Zuschauerinnen und Zuschauer an drei Abenden in der Mensa des Gymnasium Ernestinum geliefert – mit einigen Gruselmomenten und ganz vielen Heiterkeit garniert, denn die Gruselkomödie sollte mitreißende Musik und schwarzen Humor vereinen. So waren etliche Lacher auf Seiten des Publikums garantiert, aber auch die Faszination und Anerkennung gegenüber den Mitwirkenden wurde durch die begeisternden Applausstafetten deutlich.
Besonders beeindruckend war, wie gekonnt Licht- und Tontechnik eingesetzt wurden. Nebelschwaden krochen über die Bühne (oder schwebten im Raum…), während bedrohliche Klänge das Schloss von Graf Dracula zum Leben erweckten. So entstand eine Atmosphäre, die selbst gestandenen Zuschauerinnen und Zuschauern das Blut in den Adern gefrieren ließ. Aber auch für die leisen, fast zärtlichen Momente war Platz. Zwischen Liebe und Angst, Hoffnung und Schrecken zeigte sich die ganze Bandbreite des Musicals sowie der Schaffenskraft der Teilnehmenden – eine Mischung, die das Publikum förmlich in ihren Bann sog. Am Ende war klar: Diese Aufführung hat alle Anwesenden nicht ausgesaugt, sondern mit Energie und Begeisterung erfüllt. Der Applaus war lang, herzlich und wohlverdient – und wird sicher noch lange in den „Gruften“ unserer Schulgemeinschaft nachhallen.
Letzendlich betrieben die Schülerinnen und Schüler der Theater AG, des Mittel- und Unterstufenchores sowie des Vokalensembles allesamt einen großen Aufwand und zeigten ein hohes Maß an intrinsischem Einsatz, sodass über 70 Talente aus der Schulfamilie beteiligt waren und ihr Engagement und ihre Herzblut auf die Bühne brachten. Die Darstellenden glänzten dabei nicht nur durch ihre zahlreichen teils extrem anspruchsvollen Gesangseinlagen, sondern vor allem auch durch schauspielerisches Talent und ihre Fähigkeit, die skurrilen Charaktere lebendig werden zu lassen. Trotz all des gesanglichen und schauspielerischen Talents sollte am Ende der umfangreichen und Monate des Probens verschlingenden Produktion wieder eines feststehen: Die Summe aller Teile ist größer als das Ganze! Durch gemeinsamen Einsatz, gegenseitige Unterstützung und ganz viel Zusammenarbeit wurde dies mehr als unter Beweis gestell!
An dieser Stelle nochmals einen Dank an die Technik-Jungs (Jacob Neubauer, Konstantin Bachmann, Sebastien Schumacher: Unermüdlich, interessiert, flexibel und kreativ) und an das P-Seminar um StR Jan Patocka, das sich um die Requisiten, die Kostüme, das Bühnenbild und die Maske gekümmert hat sowie an die detailliert ausgearbeiteten und ausgefallen kreativen Choreografien (Lena Fischer, Alisa Knörnschild, Ally Gunsenheimer, Mathea Schellhorn: Immer die Schülerinnen und Schüler im Blick und über alle Maße engagiert), welche dem ohnehin schon ausufernden Spektakel noch die Krone aufgesetzt haben und dafür sorgten, dass es am Ernes mal wieder eine runde und beeindruckende Vorstellungen zu bestaunen gab. Ebenso einen großen, großen Dank an unseren Verein der Freunde und Förderer des Gymnasium Ernestinum für die Grundlagen zu dem Projekt sowie den Elternbeirat, der wieder einmal astrein für das leibliche Wohl gesorgt hat. Last but not least auch einen Dank an die Firma Schader Veranstaltungstechnik für die Bereitstellung des notwendigen Equipments.















































