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Coburg zur NS-Zeit – eine Spurensuche mit Dr. Eva Karl

Wisst ihr eigentlich, welch eine Rolle Coburg im 3. Reich zur Zeit der Nationalsozialisten gespielt hat? Diese Frage stellten wir, die Klasse 7d, uns, als wir im Unterricht das Buch „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ lasen, in dem über die Juden im 2. Weltkrieg und besonders den Holocaust berichtet wird. Über dieses dunkle Kapitel aus der Geschichte Coburgs berichtete Frau Dr. Karl uns daher am 06.06.25 mehr.
Die Exkursion wurde in sechs Stopps unterteilt, den ersten legten wir am Schlossplatz ein. Dort erfuhr unsere Klasse, in welchem Prunk die Coburger zur Zeit des Herzogstums lebten. Jedoch trat nach dem verlorenen 1. Weltkrieg wirtschaftliche sowie politische Unzufriedenheit unter der Bevölkerung ein. Damit waren die Coburgerinnen und Coburger verführbar für jemanden, der ihnen neues Ansehen und neuen Reichtum versprach.
Am nächsten Stopp, der Villa Victoria, informierte Frau Dr. Karl uns darüber, dass Adolf Hitler Coburg das erste Mal am 14. Oktober 1922 besuchte, was er dann regelmäßiger tat. Er versprach Coburg es wieder in seinen früheren Glanz zurückzuführen, mit der Folge, dass die Coburger in den Stadtrat mehrere Nationalsozialisten wählten.
Auch im Stadtrat beteiligt war der jüdische Mann Abraham Friedmann. Dieser war der Besitzer der Villa Victoria. Aufgrund seiner Religion wurde er von den Nationalsozialisten öffentlich beschimpft und diskriminiert. Anschließend wurde er in den Wald verschleppt und dort brutal gefoltert. Er verkaufte schließlich sein Haus und verließ die Stadt als gebrochener Mann.
Als Nächstes wollte Frau Dr. Karl uns mehr über die Hintergründe des Rathauses erzählen. Vor allem der Balkon ist da von historischer Bedeutung: Von da sprach Adolf Hitler zu den Menschen herab, wenn er in Coburg war.
Dort verweilten wir nur eine kurze Zeit und machten uns anschließend auf in die Richtung der ehemaligen sogenannten Prügelstube. Dort angekommen informierte sie uns anhand von Zeitzeugenberichten über die grausame Geschichte dieses Ortes: Das war ein Raum in einem Haus, in dem Menschen verprügelt wurden – einfach nur, weil sie nicht ihrer Meinung waren oder weil sie Juden waren. Da war es eng, dunkel und unheimlich. Uns wurde erzählt, dass niemand den Opfern geholfen hat. Diese Station hat uns am meisten mitgenommen.
Weiter ging es mit dem früheren jüdischen Kaufhaus, das in der Fußgängerzone vorzufinden ist. Da das Einkaufszentrum für diese Zeit sehr modern und erfolgreich war und es von Juden geleitet wurde, verweigerten die Nazis den Leuten bald den Einlass. Darunter litten die Einnahmen des Kaufhauses, woraufhin es bald zu einem geringen Preis an einen neuen, nicht jüdischen Inhaber verkauft wurde. Unser nächster und somit letzter Stopp war der Ilse Kohn-Platz, der neben dem Stadtcafe liegt. Auch sie durchlebte eine unfassbar schwere Zeit vor und im zweiten Weltkrieg, weshalb sie 1934 nach Amsterdam zog und dort einen niederländischen Konditor heiratete. Am Ende wurde sie trotz ihrer Auswanderung in ein Konzentrationslager verschleppt und starb dort im Alter von 36 Jahren.
Letztendlich lässt sich sagen, dass dies eine unfassbar schreckliche Zeit war, die nicht in Worte zufassen ist. Wenn euch das Thema interessiert, dann könnt ihr darüber mehr in Frau Dr. Karls Buch erfahren.

Bericht der Klasse 7d

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