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„Pink, pointiert, pooooositiv“: Standing Ovations für das Musical Natürlich Blond!

Was, wenn andere dir nicht zutrauen, was längst in dir steckt? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Broadway-Musical Natürlich Blond!, das die Theater- und Musical-AG des Gymnasium Ernestinum mit Unterstützung des Musical Chores und zahlreicher engagierter Lehrkräfte sowie Helfer und Helferinnen auf die Bühne gebracht hat. Die Antwort lieferten drei voll belegten Vorstellungen – mitreißend, humorvoll und mit einer Botschaft, die weit über die letzte Szene hinausreicht: Wer sich selbst treu bleibt, kann mehr erreichen, als andere ihm zutrauen. Denn hinter dem pinken Glamour, den pointierten Dialogen und den schwungvollen Tanznummern steckte weit mehr als nur eine unterhaltsame Komödie. Im Mittelpunkt des Stücks steht Elle Woods, die zunächst vor allem als modebewusste und allzu oberflächliche Blondine wahrgenommen wird. Als ihr Freund Warner sie verlässt, weil er eine vermeintlich passendere Partnerin für seine Karrierepläne sucht, beschließt Elle, ihm an die renommierte Harvard Law School zu folgen. Dort muss sie sich nicht nur in einer völlig neuen Welt behaupten, sondern vor allem gegen die Vorurteile anderer –  und gegen die Zweifel, die sie manchmal selbst an sich hat. Was als turbulente Geschichte über Liebe, Mode und Karriere beginnt, entwickelt sich zu einer Story über Selbstvertrauen, Zusammenhalt und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Dass dabei weder der Humor noch die große Show zu kurz kommen, bewies Natürlich Blond! an ebenso unterhaltsamen wie überraschend vielschichtigen Musicalabenden. Monatelang wurde dafür geprobt, gesungen, getanzt, gebaut, geschminkt, organisiert, gedrillt und improvisiert – und natürlich immer wieder gelacht. Das Ergebnis war weit mehr als eine Schulaufführung: Auf der Bühne trafen schauspielerische Spielfreude, gesangliche Qualität und anspruchsvolle Choreografien auf eine Inszenierung, in der zahlreiche Beteiligte ihre ganz eigenen Stärken einbrachten.

Eine Bühne voller Figuren, ein Ensemble voller Charaktere

Natürlich lebt ein Musical von seinen Figuren. Entscheidend ist aber, dass diese Figuren mehr werden als die schlichten Namen im Textbuch. Und genau das gelang dem Ensemble ausnahmslos: Aus den Charakteren von Natürlich Blond! wurden Persönlichkeiten, die das Publikum zum Lachen brachten, überraschten, mitfühlen und mitfiebern ließen – kurzum: Alle Stärken des Mediums Musical wurden ausgespielt. An vorderster Front stand die Abiturientin Alisa Knörnschild aus der letztjährigen Q13 als Elle Woods, die bei ihrem letzten Einsatz für das Ernestinum nochmal groß aufspielte. Mit absoluter Bühnenpräsenz, gesanglicher Klasse, tänzerischem Können und einer beeindruckenden Spielfreude trug sie die anspruchsvolle Hauptrolle souverän. „Dass wir uns überhaupt für ein so komplexes Stück wie Natürlich Blond! entschieden haben, hatte einen einfachen Grund: Wir wussten, dass wir mit Alisa eine Darstellerin haben, die eine solche Hauptrolle tragen kann“, schmunzelte der Leiter der Musical-AG. Überdies überzeugte Alisa jedoch nicht nur auf der Bühne. Als Motivatorin, Gesangscoach, Unterstützerin bei den Choreografien und Vorbild für ihre Mitspielenden war sie auch hinter den Kulissen eine der tragenden Säulen der Produktion. An ihrer Seite stand ihr Christian Drese als Emmett mit Charme, Natürlichkeit und einer bemerkenswerten Leichtigkeit nur selten nach. Seine Figur wird für Elle zu einem wichtigen Gegenpol: Während andere sie unterschätzen, nimmt Emmett sie ernst und erkennt, was in ihr steckt. Dass Christian nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Ensemble ein echter Teamplayer war, passte dazu bestens. Weniger freundlich beginnt die Beziehung zwischen Elle und Vivienne, die zunächst vor allem als Rivalin auftritt, nicht verwunderlich, ist sie doch die Neue von Elles Ex Warner. Im Laufe der Geschichte zeigt sich jedoch, dass auch sie mehr ist als die vermeintlich perfekte Gegenspielerin. Selma Adler verlieh der Figur der Vivienne Profil und Präsenz, als langjähriges Mitglied der Musical-AG überzeugte sie einmal mehr mit ihrem schauspielerischen Talent und ihrer ebenso immersiven wie eindringlichen Darstellung. Ganz anders, aber nicht weniger prägnant: Paulette Buonafonte, die warmherzige und charmant-naive Friseurin, die für Elle zu einer wichtigen Verbündeten und emotionalen Stütze wird. Josephine Waselowski als Paulette lebte von ihrer Authentizität und der besonderen Wärme, die sowohl die Figur als auch die Schauspielerin in großem Maße verströmen. Auch die weniger sympathischen Charaktere des Stücks verlangten nach überzeugender Darstellung. Lionel Langbein begegnete als Professor Callahan den negativen Seiten seiner Figur mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit. Gerade weil Callahan nicht als strahlender Held angelegt ist, braucht es ein gutes Gespür für Zwischentöne, um ihn glaubwürdig auf die Bühne zu bringen. Diese Zwischentöne meisterte Lionel ebenso souverän wie die Töne bei seinen anspruchsvollen (Solo-)Nummern. Emilian Schellhorn verlieh Warner Huntington II. eine eigene Mischung aus Witz und Charme und sorgte so immer wieder für Lacher im Publikum. Valentina Müller wiederum stellte die Fitnessqueen Brooke Wyndham mit viel Präzision und sportlichem Ehrgeiz dar. Bei einer der tänzerisch anspruchsvollsten Nummern des Abends war nicht nur Fitness gefragt, sondern auch die Fähigkeit, Bewegung und Ausdruck zu einer überzeugenden Bühnenleistung zu verbinden. Stimmlich und schauspielerisch echte Kraftpakete waren auch die Delta-Nu-Girls als Unterstützerin für Elle. Liv Borowski, Victoria Pilz und Maria Paluszek brachten als Pilar, Serena und Margot jeweils eigene Akzente mit in die Interpretation der Figuren ein, sodass diese mehr zum Leben erwachten als man es beim Lesen des Drehbuchs für möglich gehalten. Zusammen mit Kate der Delta Nu´s, die von Maja zur Nieden, welche durch Eigeninitiative und der gleichen Professionalität wie die anderen drei überzeugte, gespielt worden ist, entstand ein Viergespann, das durch Gesang, Tanz und Schauspiel weit mehr als bloße Begleitung für die Hauptfigur war. Das Ergebnis: Ein eingespieltes Quartett, das mit seinen Auftritten die Bühne immer wieder zum Leben erweckte und beben brachte.

 Jede Rolle mit Leben gefüllt

Jedoch: Musical lebt nicht allein von seiner oder seinen Hauptfigur(en). Oft sind es gerade die Nebenrollen, die überraschenden Auftritte und die komischen Momente, die einem Abend seinen besonderen Charakter verleihen. Auch hier hatte Natürlich Blond! einiges zu bieten. Oscar Sendel als Carlo und Luis Thein als Rico sorgten mit skurrilem Humor und ironischem Spiel für zahlreiche Lacher. Oscar Sendel überzeugte mit einer mehr als authentischen Darstellung, während Luis mit seiner energiegeladenen Bühnenpräsenz kaum zu übersehen war. Dass beide auch hinter den Kulissen überall äußerst professionell mit anpackten, machte sie zusätzlich zu wichtigen Stützen der Produktion. Für eine besondere Überraschung sorgte Jonas Walter, der mit seiner Darstellung von Kyle O’Boyle ein überzeugendes Musicaldebüt hinlegte. Seine Bühnenpräsenz wirkte keineswegs wie die eines Neulings – inklusive des markanten Knicks und Pops, der zu dieser Figur gehört wie ein UPS-Paket. Leona Grabe bewies derweil, dass Bühnenenergie nicht an der Rampe endet: Sie überzeugte mit Tanz und Schauspiel, war aber auch beim Bauen, Nähen und Gestalten im Vorfeld des Stücks mit großem Einsatz dabei und es ist nicht zuletzt ihr zu verdanken, dass man das schönste Bühnenbild aller bisheriger Produktionen bestaunen durfte. Und auch die übrigen Figuren trugen ihren Teil zum Gesamtbild bei: Andor Pasztor brachte als Sundeep Padamadam seine grenzenlose Begeisterung aus der Probenzeit, welche er so allen beteiligten stets versüßte, mit auf die Bühne. Eduard Stern verlieh Aaron Schulz eine Präsenz, durch die selbst kleinere Rollen groß wirkten. Imesha Perera gab als Enid Hoops einen mehr als vielversprechenden Auftritt in einer größeren Rolle. Fabian Scheler sorgte als Dewey mit seiner ansteckenden Gelassenheit und der Coolness der Darbietung für einen weiteren Farbtupfer. Das Professoren-Trio gespielt von Niels Weiss mit seinem unverwechselbaren Humor, Malte zur Nieden als Mann für alle Fälle und Ben Nußpickel, der mit seinem Einsatz einmal mehr zeigte, wie wertvoll echter Teamgeist ist. Zudem packten alle drei auch bei den Umbauten mächtig mit an! Janosch Knoth überzeugte als skurriller Richter, Matteo Vollert schenkte auch kleinsten Rollen besondere Aufmerksamkeit, und Sebastian Konitz brachte an einigen Vorstellungen einiges an Spontaneität ins Spiel. Melia Thiel beeindruckte mit Flexibilität bei diversen Einsätzen. Jonathan Schellhorn und Maria Alterkop gaben ein herrlich überzeichnetes Elternpaar ab, während auf Lenia Bachmann sowohl tänzerisch als auch schauspielerisch jederzeit Verlass war – und sie am Ende sogar etwas mehr zum Einsatz kam als ursprünglich geplant.

Wenn die Jüngsten ganz groß rauskommen

Besonders schön zeigte sich der Zusammenhalt des Ensembles bei den jüngeren Mitwirkenden. Die Delta-Nu-Girls waren nämlich längst nicht nur mit erfahrenen Darstellerinnen besetzt. Auch Schülerinnen aus den sechsten und siebten Klassen mischten kräftig mit. Mila Knoth und Ekatarina Pisarenko brachten mit ihrer ansteckend guten Laune frischen Schwung auf die Bühne. Matilda Just, Gianna Patti und Emily Zithof bewiesen, dass es für eine überzeugende Bühnenleistung nicht unbedingt jahrelange Erfahrung braucht und überzeugten so jung und alt. Gerade neben den „alten Hasen“ des Ensembles machten sie eine bemerkenswert gute Figur. Der jüngste Teilnehmer war Vincent Schwarz aus der fünften Klasse. Gemeinsam mit Leo Heinlein und Nik Herrmann stand er als Collegeboy auf der Bühne. Mit Spielfreude, Witz und einer gehörigen Portion Lässigkeit sorgten die drei für zahlreiche Lacher. Ihr Auftritt zeigte eindrucksvoll, wie viel Energie entsteht, wenn unterschiedliche Altersgruppen gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Nicht vergessen werden darf Benjamin Schwarz, der verletzungsbedingt kurz vor der Premiere ausfiel. Nach seiner starken schauspielerischen Leistung im vergangenen Jahr bleibt vor allem ein Wunsch: Wir freuen uns schon jetzt auf sein Comeback!

Auch Helden jenseits des Rampenlichts

Was auf der Bühne mühelos wirkt, bedeutet hinter den Kulissen häufig stundenlange Vorbereitung, präzise Absprachen und jede Menge Improvisation. Szenenwechsel müssen sitzen, Requisiten zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, Kostüme passen und Lichtstimmungen genau im richtigen Moment entstehen. Erst wenn all diese Zahnräder ineinandergreifen, kann auf der Bühne jene Leichtigkeit entstehen, die das Publikum erleben durfte. Dass dies bei Natürlich Blond! so gut funktionierte, war auch den zahlreichen Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Ernestinum zu verdanken, die neben ihren Bühnenrollen auch hinter Bühne und im Vorfeld Verantwortung übernahmen. An erster Stelle kümmerte sich Jonathan Schellhorn mit beeindruckender Genauigkeit und größten Engagement um Ragequisiten und Requisiten, Bühnenauf- und umbauten sowie viele Aspekte der Organisation und schaffte es einmal mehr, reibungslose Abläufe zu garantieren – trotz allem Chaos, dass hinter und neben der Bühne oftmals herrschte. Maria Alterkop leitete mit viel Leidenschaft Kostüm und Maske und prägte mit ihrem Auge fürs Detail und dem richtigen Gespür für Ästhetik das Erscheinungsbild der Schauspielenden und der gesamten Produktion. Unterstützt wurde sie von Laura Gubert, die sich hinter den Kulissen um Maske und Frisuren unterstützend kümmerte und dabei als gute Seele der Gruppe galt. Wie bereits erwähnt, war in diesem Kontext auch Leona Grabe abseits der Bühne kaum zu bremsen: Sie baute, nähte, gestaltete und packte dort mit an, wo Hilfe gebraucht wurde. Mathea Schellhorn und Ally Gunsenheimer entwickelten zahlreiche Choreografien – unter anderem einen der Publikums- sowie Ensemblelieblinge Knick und Popp – und verstanden es, ihre Ideen und ihre Begeisterung auf die gesamte Gruppe zu übertragen: Ein starkes Debüt in punkto Choreoentwürfe, das neugierig auf mehr macht! Auch das Umbau-Team leistete unverzichtbare Arbeit. Julius Eckhardt erwies sich als verlässliche Ein-Mann-Armee, und Ben Weitz war erneut eine wichtige Stütze – vorausschauend, zuverlässig und immer zur Stelle, ebenso wie die immer wieder einspringenden Oscar Sendel, Luis Thein, Andor Pasztor, Oscar Sendel, Malte zur Nieden, Ben Nußpickel und Nils Weiss. Gerade bei einem Stück mit vielen Szenen und schnellen Wechseln ist ein solches Team Gold wert. Eine besondere Rolle spielte außerdem der Musical-Chor. Auch wenn seine Mitglieder nicht in jeder Szene im Mittelpunkt standen, verliehen sie dem Abend zusätzliche Klangfülle und emotionale Tiefe. Sie zeigten, dass es für große Wirkung nicht immer das Rampenlicht braucht. Dasselbe gilt für die Technik. Mit zahlreichen Stunden Vorbereitung, sorgfältig programmierten Lichtstimmungen, zielgenauen Spottereinsätzen und viel Liebe zum Detail schufen Jacob Neubauer, Konstantin Bachmann und Sebastian Schumacher die Atmosphäre, die das Publikum durch die verschiedenen Welten des Musicals begleitete – von Harvards akademischer Strenge bis  hin zum bunten, temporeichen Glamour, welcher die Show ebenfalls prägte. Abgerundet wurde die Technik von Lena Fischer und Nele Wendler.

Wenn mehr bleibt als nur Applaus

Für das Jahr 2026 ist der letzte Vorhang gefallen. Doch die Geschichte, die in den vergangenen Monaten entstanden ist, endet damit nicht. Drei gelungene Aufführungen, lang anhaltender Applaus und Standing Ovations sind der sichtbare Erfolg, dahinter stehen aber auch Freundschaften, gemeinsame Herausforderungen, neue Fähigkeiten und Erinnerungen, die weit über die letzte Vorstellung hinausreichen werden. Vielleicht passt gerade deshalb die Botschaft von Natürlich Blond! so gut zur Musical-AG: Es lohnt sich, Menschen nicht vorschnell in Schubladen zu stecken – und sich selbst ebenso wenig. Hinter jeder Rolle steckt ein Mensch mit eigenen Stärken, hinter jeder gelungenen Szene eine Menge Arbeit, und hinter jedem großen Bühnenmoment ein Team, das gemeinsam daran glaubt und arbeitet. Unser Dank gilt allen Mitwirkenden auf und hinter der Bühne, dem Musical-Chor, der Technik, den Eltern, dem Elternbeirat, den Sponsoren, dem Verein für Freunde und Förderer des Gymnasiums Ernestinum, dem Kollegium, der Schulleitung und allen weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern. Und natürlich unserem Publikum, das uns an allen drei Abenden mit Begeisterung, lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations beschenkt hat. Der Vorhang ist gefallen – aber der Applaus klingt nach. Nach dem Musical ist vor dem Musical!