Kleine Menschen in großer Landschaft – Ernestiner auf der Coburger Hütte

Nachdem das Wetter wochenlang gut – oder, wie die Österreicher sagen würden, „brutal heiß“ – war, deutete sich just, als die Ernestiner sich aufmachten, die Coburger Hütte zu stürmen, ein Wetterumschwung an. Regenwahrscheinlichkeit und -menge sämtlicher Wetterberichte deuteten auf ein nasses Unterfangen hin. So starteten wir – drei Lehrkräfte und 19 Schülerinnen und Schüler – am frühen Montagmorgen in etwas gedrückter Stimmung in Coburg am Bahnhof. Auch die Ankündigung der Bahn, dass unsere Reservierungen für den ICE ungültig seien, weil nicht unser Zug, sondern ein Ersatzzug käme, dämpfte unsere Vorfreude. Doch diese Aufregung legte sich bald, als wir vom netten Schaffner in die 1. Klasse geführt wurden und dort in breiten Ledersesseln entspannt gen Süden reisten. Kurz vor Ehrwald dann der Schreck: Es schüttete wie aus Eimern! Doch beim Aussteigen war der kurze Guss schon wieder vorbei und so konnten wir trocken bis zur Hütte aufsteigen. Nur die 1,5 cm großen Hagelkörner, die den Weg flankierten und in der Sonne vor sich hintauten, zeigten, dass das Wetter in den Alpen ein ernstzunehmender Faktor ist. Souverän meisterten die Schülerinnen und Schüler jedoch den Anstieg und vernichteten oben hungrig große Portionen Spaghetti Bolognese. Am nächsten Tag ging es in zwei Gruppen zum Klettern und Wandern. Bergführer Ricardo Mizio, der bereits im letzten Jahr das Klettern betreut hatte, überwachte das Klettern im hinter der Hütte gelegenen Klettergarten, während eine kleinere Gruppe zum Tajatörl aufstieg. Nachdem der Winter außergewöhnlich schneereich war (eine Lawine hatte sogar die Lagerhütte an der Materialseilbahn der Coburger Hütte zerstört), kamen beide Gruppen in den Genuss von Schneekontakt – die Wanderer mussten weiche Schneefelder queren, während die Kletterer sich zwischen Schneefeld und Wandfuß schmal machen mussten, um sichern zu können. Nach dem Wechsel der Gruppen mittags kam dann die Nagelprobe: Ein heftiger Regenguss erwischte uns und brachte sämtliche Aktivitäten schlagartig zum Erliegen. Mitten am Berg ein Unwetter zu erleben war auch spannend und erste zarte Stimmchen wurden wach, die eine Rückkehr zur Hütte forderten. Doch zum Glück klarte es auf, ehe alle völlig durchnässt waren, sodass in kurzer Zeit alle und alles wieder trocken waren und alle Aktivitäten wie geplant durchgeführt werden konnten. Am nächsten Tag folgte dann nur noch der Abstieg und eine entspannte Heimreise mit der Bahn – wenn man davon absieht, dass unsere ICE-Reservierungen auch diesmal nicht gültig waren, weil unser Zugteil gar nicht am Zug angekoppelt war. Aber auch das ließ sich zur Zufriedenheit lösen, sodass wir mit geringer Verspätung schließlich alle müde, aber glücklich wieder in Coburg landeten. Ein großer Dank geht wie immer an den DAV Coburg, der das Material zur Verfügung stellt, an Ricardo und an das Hüttenteam auf der Coburger Hütte, für die Schülerhorden auch nicht alltäglich sind.

Juli 10, 2019