Naturwissenschaftlich-Technologisches und Wirtschaftswissenschaftliches Gymnasium

LK Geographie zu Besuch im Naturkundemuseum

Ausflug des LK Geographie ins Naturkundemuseum Coburg am 12.3.2010

 

- starring Dr. Mönnig und Herr Metzdorf –

 

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u Beginn erhalten wir eine große Kiste voller Steine und den Auftrag, diese in die kleinen Schalen auf den umstehenden Tischen nach Gesteinstyp zu sortieren, das weckt den Spielspaß bei den Kollegiaten. Nach ein paar Minuten sind alle fast Steine in den passenden Kisten. Dr. Mönnig verteilt die letzen Steine eigenhändig, dann bekommt jeder Schüler eine Kiste mit Steinen zugeteilt, deren Namen er bestimmen soll. Zum Vergleich befinden sich an den Wänden beschriftete Proben von zahlreichen Gesteinstypen.

 

Nach Minuten des Rätselns und Umherlaufens hat jeder den Namen seines Steins heraus.  Unser Museumsführer bittet nun jeden Junggeologen einzeln heraus, dass er seinen Mitschülern seinen Gesteinstyp vorstellt. Dann verbessert er unsere Vermutungen und Eindrücke, macht uns auf Abrücke von Fossilien aufmerksam und bereichert seine Führung durch seine fachkundlichen Angaben zu Zeit, Ort und Vorgang der Entstehung jeder Gesteinsart.

Dann geht’s weiter mit Erdöl und seinem Muttergestein, dem schwarzen Ölschiefer, aus dem bei rund 100°C das Kerogen, eine  Vorstufe des Erdöls herausgelöst wird, um sich durch die Gesteinsschichten nach oben zu arbeiten, bis es sich in porösem Sandstein unter einer luftdichten Gesteinsschicht sammelt. Unser Führer deutet auf einen großen Sandstein in der Mitte des Raumes, auf dem deutlich ein Abdruck von gewaltigen Dinosaurierklauen prangt.

Damit ist sein Vortrag erst einmal beendet und Herr Metzdorf, der geologische Präparator des Museums bittet uns, ihm in einen anderen Teil des Museums zu folgen. Vor einem Schaukasten mit Ammoniten machen wir Halt. Auf dem Vitrinenboden sind neben den Ammoniten ihre Abdrücke und Rollspuren zu erkennen. Herr Metzdorf erklärt uns die Vorgänge bei dem Absinken der toten Tiere auf den Meeresgrund und ihrem Weg in tiefere Erdschichten, ihrer Versteinerung und letztendlich ihrer Hebung an die Oberfläche, die zu ihrer Entdeckung führte. Doch nicht alle vermeintlichen Fossilien sind echt. Er erklärt uns, wie raffinierte Fälscher mit selbst gebastelten Präparaten schon Professoren aufs Kreuz gelegt haben. Nur die wenigsten Fossilien liegen einfach so herum. 99% aller Funde müssen in mühsamer Handarbeit aus dem Ölschiefer herausgehauen werden. Früher geschah das noch mit Hammer und Meißel, heute gibt es zum Glück modernere Techniken. Doch auch mit elektrischen Meißeln und luftdruckbetriebenen Bohren, die man eher in einer Zahnarztpraxis vermuten würde, braucht der Präparator zur Freilegung einer Versteinerung immer noch 4-8 Wochen. Der Ölschiefer, aus dem er die Fossilien mühsam befreit, findet heutzutage Anwendung als Zement und als Brennstoff, denn das Gestein ist auch brennbar, wie er uns demonstriert. Nach kurzem Ankokeln macht sich sofort ein Gestank, wie nach verbrannten Reifen bemerkbar. Das sei das Kerogen, das noch immer im Gestein eingeschlossen ist, weshalb der Ölschiefer heute meistens als Heizstoff zur Stromgewinnung verwendet wird. Fossilien geben nicht nur Aufschluss über das Leben vor Millionen von Jahren, sondern sind auch für die Ölindustrie wichtig. Die im Fossil eingeschlossenen Mirkoorganismen geben den Ölförderern Aufschluss über die Entfernung der momentan angebohrten Gesteinsschicht zu möglichen Ölvorkommen. Dazu werden Gesteinsproben zu Platten auf eine Dicke von ungefähr 30 Mikrometern geschliffen und mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Dabei werden die im Gestein eingeschlossenen Mikrofossilien sichtbar, anhand derer sich das Gestein einer bestimmten Entstehungszeit zuordnen lässt und dadurch Vermutungen über die Lage von Erdölvorkommen erlaubt. Nach einem Blick durchs Mikroskop auf die winzigen Organismen in der Steinplatte, geht’s zum Sandstrahler, an dem wir mal selbst an einem, im Ölschiefer verborgenen, Fossil herumbohren können.

Damit war der praktische Teil beendet und wir wurden in den Hörsaal des Museums geführt, wo uns schon Dr. Mönnig erwartete.

Seinen Vortrag unter der Überschrift „Energieressourcen“ startete er mit einer Gegenüberstellung der größten Exportländer für Rohöl und Erdgas. Angeführt wird diese Liste von Saudi-Arabien und Russland. Das Aussehen von Öl beschränkt sich nicht – wie oft angenommen – auf eine dicke, klebrige, schwarze Flüssigkeit, sondern reicht von dünnflüssig wie Wasser bis hin zu einer so trägen Substanz, dass man sie mit dem Rucksack wegtragen kann. Ein wichtiges Thema ist die Ortung der Ölfelder, gerade weil das Thema so eng mit dem Beruf des Geologen verknüpft ist. Neben der bereits vorgestellten Methode der Mikrofossilienuntersuchung, die vor allem in den 70er Jahren angewandt wurde, nutzt man heute meist Dynamit um die Ölfelder zu orten. Die bei der Detonation entstehenden Schallwellen durchdringen den Boden und seine Gesteinschichten, die, bedingt durch ihre verschiedenen Strukturen, den Schall unterschiedlich stark reflektieren. Diese Unterschiede in der Seismik werden von einem Geophon aufgefangen und werden als Grafik dargestellt, die für Laien nur wie weißes Rauschen aussieht. Dem erfahrenen Geologen aber zeigt sie deutlich die Form der Gesteinsschichten im Boden und erlaubt ihm Rückschlüsse auf die Lage von Öllagerstätten.

Doch trotz solcher fortschrittlicher Ortungsmethoden gehen die zu erwartenden Fördermengen zurück, weil die größten Lagerstätten bereits ausgebeutet und verbraucht sind. Auf der anderen Seite haben wir heute weltweit einen täglichen Verbrauch an Erdöl, der einem Fass, so groß wie der Eiffelturm entspricht. Und dieser Verbrauch steigt Tag für Tag weiter an, gerade in den Schwellenländern China und Indien. Auf diesen nie endenden Bedarf reagieren einige Ölkonzerne nun mit der weniger effektiven Förderung von Ölsand und Ölschiefer, in denen nur geringe Mengen Öl enthalten sind, deren Förderung aber eine erhebliche Belastung für die Umwelt darstellt. Erdöl ist inzwischen so wertvoll geworden, dass Ölunternehmen, um an Vorkommen unterhalb von Naturschutzgebieten zu kommen, um die Ecke bohren und die Erde damit seitlich aushöhlen.

Noch lange nicht erschöpft sind hingegen die Kohlevorkommen der Erde. Von Erdöl und Erdgas aus dem Rennen der Energierohstoffe weitgehend herausgedrängt, wird sie noch in den USA im Tagebau abgetragen, auch ihm Ruhrgebiet steht die Förderung noch nicht still, den größten Anteil an der Steinkohleförderung aber, hat China, wo in Flözen von bis zu zwei Kilometern Tiefe unter Schwerstbedingungen jährlich circa 10000 Bergleute umkommen.

Ungefährlich ist auch nicht die Wunderenergiequelle der 50er Jahre: Uran.

Denn trotz Deutschlands enormer Abhängigkeit von der Energie der Kernspaltung ist neben dem Risiko eines Kraftwerkunglücks und dem Problem der Endlagerung von Atommüll auch die so genannte Schneeberger Krankheit gefährlich. Sie wird durch Radon hervorgerufen, ein Gas, das sich durch radioaktiven Zerfall bildet und sich vor allem in alten und schlecht belüfteten Kellern im Erzgebirge sammelt, weil der Boden dort stark radioaktiv belastet ist. Die Schneeberger Krankheit ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach dem Rauchen.

Angesichts dieser begrenzt verfügbaren und gefährlichen fossilen Energieträger wird man zukünftig mehr auf regenerative Energien setzen müssen, was sich vor allem auf die Solarenergie bezieht. Denn gegen die Energie, die die Sonne jährlich auf die Erde abstrahlt, sind unsere natürlichen Rohstoffe nur Peanuts. Eine Solaranlage, die sich in der Wüste über eine Fläche von 36km² erstreckt würde genügen um den weltweiten Energiebedarf zu decken. Dieser Traum scheitert aber schon am Transport des Stroms, da 30% der Energie schon auf dem Weg durch die Stromleitungen verloren geht.

Der einzig wahre Energielieferant ist noch nicht gefunden, die Suche geht also weiter,

und wir ins Wochenende.

Ferras Barmo, Stefan Leicht

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